23. April 1971:
Um 18.32 Uhr erblicke ich im St. Johannesstift in Paderborn das Licht der Welt. Uhrzeit passend gewählt, um 18.30 beginnt damals immer die Sesamstrasse im WDR Fernsehen und Datum passt auch, der 23.4. ist traditionell der Tag des deutschen Bieres
August 1975:
Nach dem die ersten 3 Jahre recht ereignislos (außer ein paar Kinderkrankheiten und Krankenhausaufenthalten) war, gehts im Jahr 1975 endlich in den Kindergarten. Das erste Jahr bin ich im Kindergarten St. Josef, das zweite Jahr verbringe ich im damals neu eröffneten Kindergarten Nesthausen, damals eine evangelische Einrichtung, in den 70ern wurde in Paderborn noch konfessionsgetrennt gelehrt.
August 1977:
In Begleitung meiner Eltern und meiner damals sehr stolzen Großeltern "darf" ich endlich in die Schule. Am ersten Tag war ich doch sehr skeptisch, jedoch verflog das schnell, dank meines genialen ersten Klassenlehrers Heinz Jürgens, den ich die ersten 2 Jahre hatte. Selbst als später eine evangelische Schule (Comenius) in Elsen errichtet wurde, blieb ich doch auf der eigentlich katholischen St. Dionysiusschule. Der Bann war gebrochen... ;-)
August 1981:
Nach 4 guten Jahren (na gut, das letzte Halbjahr der 4. Klasse war nicht so prall... Lehrerwechsel) wechsle ich zur Realschule nach Schloß Neuhaus. Mit den "neuen" Fächern Englisch und Französisch freunde ich mich schnell an, Fremdsprachen werden zu meinen absoluten Stärken. Leider hält diese Freude nicht allzu lange. Die Pubertät und wohl auch die trennung meiner Eltern setzen mir stark zu und ich sacke ab.
Juli 1988:
Nach zwei Ehrenrunden (Kl. 7&9), zwei Nachprüfungen (Kl. 7&8) und dem zweiten Scheitern am Erreichen der Klasse 10 gehe ich ohne Schulabschluss von der Schule ab. Zukunft offen...
August 1988:
Beginn meiner Bäckerlehre. Anfangs bei der Bäckerei Otto in Paderborn, Ferdinandstr. (gegenüber war damals das Polizeipräsidium, nicht schön, wenn man mit nem frisierten Mofa zur Arbeit muss), dort passte aber das Arbeitsklima so gar nicht, also führte ich meine Ausbildung ab Novemberv 1988 in der Bäckerei Gaßmüller in Schloß Neuhaus fort, und bestand sie auch im Januar 1992 gleich im ersten Anlauf mit einer glatten 3. Beruffschulabschluss mit Durchschnitt 3,2. Auch hier lags nicht an fehlender Intelligenz, sondern eher am "kein Bock".
1. April 1992:
Ein einschneidendes Ereignis im damaligen Leben eines jungen Mannes. Bunt schreibt sich erstmal bis auf weiteres mit D am Ende. Einberufung zur 5. Kompanie im Panzerbataillon 214 in Augustdorf, später Ausbildung zum Ladeschützen auf dem Leo 2. da ich aber Probleme in der engen Fickelkiste bekomme, Versetzung in die kompanieinterne Versorgung. Material-, Waffen und Wäscheausgabe. Man hats mal gemacht und gut...
1. April 1993:
Rückkehr in die Backstube, aber in dem einen Jahr hat sich viel verändert, der Job macht keinen Spaß mehr... Halbes Jahr halte ich noch durch, dann war Ende.... Ab Dezember 1993 jobbe ich als Aushilfe im REWE-Markt Schloss Neuhaus, in dem meine Ma regiert.
1. August 1994:
Aus diesem Aushilfsjob ist eine Ausbildung geworden. Ich bekomme wegen Vor-Ausbildung 1 Jahr angerechnet, mache also den Einzelhandelskaufmann in 2 statt 3 Jahren. Durchschnitt im Abschluss 2,47. besondere Auszeichnung für mich und meinen Chef in der REWE-Zentrale. Man sieht, wenn man gefordert wird, wirds spannend und das motiviert... Durch den zweiten Berufsschulabschluss (hier Schnitt 2,5) erlange ich das Fach-Abitur, mit 25 Jahren.
1. September 1996:
Nur 3 Monate nach meiner Prüfung werde ich von der REWE ins "Führungskräfte-Entwicklungs-Programm" aufgenommen, ich werde Marktleiter in Paderborn, Am Lichtenturmweg, eine Gegend, die ich seitdem nur noch mit "In the Ghetto" umschreibe. Anfangs baut der Laden sich auf, die Problemkinder im Umfeld des Ladens merken schnell, dass da jemand ist, der sich nicht einschüchtern lässt. da diese Jungs und Mädels aber auch den Rest des Personals über Jahre mürbe gemacht hatten, sprang einer nach dem anderen ab, und die Arbeit wurde immer mehr, bis man schließlich drin ersoff...
Februar 1997:
Ich wechsle zum REWE-Getränkemarkt nach Stukenbrock. Damals schon eigentlich eine Totgeburt, stehe ich dort mehr oder weniger allein gelassen den ganzen Tag im Laden. Und das nachdem die Öffnungszeiten auf 20 uhr verlängert wurden. 14 Stunden-Tag war angesagt, ich musste mir mein eigenes angespartes Notebook klauen lassen. Unterstützung seitens der Berzirksleitung oder der Leitung des Hauptmarktes totaler Ausfall. Zum 30.9.1997 verlasse ich die REWE-Handelsgruppe mit einem faden Nachgeschmack.
1. März 1998:
Nach einem unvergesslichen Kurzurlaub in Tunesien im November 1997 mit meinem Kumpel Thomas, und einer kleinen Auszeit von der letzten Arbeitsstelle, arbeite ich nun als Substitut im Edeka-Markt in Warstein-Belecke. Aufgrund der Entfernung entschließe ich mich, nach Rüthen zu ziehen. Der Marktleiter dort wurde kurzerhand abgesetzt und ich fungierte "kommissarisch" als Filialleiter, bis zur Privatisierung des Marktes an Herrn Buschkühle, der allerdings brachte sein eigenes Personal mit, ich wurde kurzerhand wieder in den Arsch getreten. Kündigung zum 30.3.1999, 3 Monate nach meinem Umzug und 2 Tage, nach dem ich ein neues Auto gekauft hatte. Wenns läuft, dann läufts.....
1. April 1999:
Ich wär ja nicht ich, wenn ich meine Fühler nicht schon frühzeitig nach Ersatz ausgestreckt hätte. So wollte es der Zufall, dass ich, als ich meinen Resturlaub abfeierte, einen Anruf von Red Zac Wiedenstridt in Delbrück bekam. Dort hatte ich mich auf bleuen Dunst hin einfach mal beworben, weil ich eigentlich keine Lust mehr an der Lebensmittelbranche hatte. So wechselte ich nahtlos in den PC- und Telekommunikationsbereich, was ja idealerweise auch mein Hobby ist.Bis auf kleinere reibereien mit der Chefin eigentlich immer ganz gut gewesen, Umbau und Umzug in ein größeres Gebäude im Jahr 2000, konnten wir gegen Media Markt ganz gut anstinken, weil die Delbrücker dann lieber zu uns kamen, als erst nach Paderborn zu jodeln.
1. September 2001:
Das wohl einschneidendste und prägendste Ereignis in meiner beruflichen Karriere: Ich kann zum Branchenriesen Deutsche Telekom AG wechseln. Anfangs als Verkäufer im T-Punkt, dann Kundenberater im Geschäftskundenvertrieb und berufsbegleitend eine Schulung zum Techniker öffnet es mir alle Tore in diesem Segment. Hobby ist Beruf, besser kann es nicht laufen. Aber alles hat einen pferdefuß: Nur befristete Verträge, und beim großen Stellenabbau 2002 wurde ich mit wegrationalisiert. Selbst mein direkter Vorgesetzter hat bis 2 Stunden vor meinem letzten Feierabend noch um meine Stelle gekämpft, vergebens. Am 31.8.2002 fällt in Detmold für mich der letzte Vorhang.
September 2002:
Dank meiner häufigen Außeneinsätze für die telekom habe ich reichlich Kontakte knüpfen können, die es mir ermöglichten, in dieser Branche zu verbleiben. Schnell war klar, das muss ich als Selbständiger durchziehen, Firmen wie Arcor oder Vodafone hatten meine Bewerbung abgelehnt, da ich anscheinend zu teuer geworden wäre. Ist halt nicht immer von Vorteil, gut geschult zu sein. Als Vetriebspartner für ISDN und das damals neu aufkommende DSL wird die 1&1 Internet AG. Passenderweise wird dort grad eine kostenlose Kundenberater-Schulung angeboten, die natürlich gleich gerne mitgenommen wird.
1. April 2004:
Im Rahmen dieser Kundenberater-Tätigkeit, die für die 1&1 Internet AG lediglich aus Verkaufsgesprächen besteht, bin ich bislang immer in verschiedenen Verbrauchermärkten tätig, auch mal außerhalb von Paderborn. das ermöglicht es leider nicht immer, auch die erforderlichen Montagen anzubieten.
So reift die Idee, eine Art Shop aufzumachen, um diese Dienstleistungen an den Mann/die Frau zu bringen. Am 1.4.2004 eröffne ich einen "Shop-in-Shop" im REWE-Markt Elsen. Als "Aufhänger", um die Leute dorthin zu bekommen, wird zusätzlich eine Postannahme für die regionale "Egge-Post" angeboten. In "Leerzeiten" beginne ich, mit meinem Dad zusammen in seiner Firma Bauten zu sanieren.
8. Februar 2006
Wunder geschehen: Meine Tochter Vivian erblickt um 21.20 Uhr das Licht der Welt. Ich bin sofort hin und weg von dieser kleinen Supermaus. Man ist motiviert bis in die Haarspitzen, diesem Kind alles zu ermöglichen, was es später einmal möchte. Ein Wunsch, an dem ich bis heute festhalte. Leider spricht zu der Zeit nicht gerade allzuviel dafür. Die Auftragslage lässt keine großen Sprünge zu, dazu Unstimmigkeiten wegen nicht bezahlter Rechnungen meiner Auftraggeber. Es wird immer schwieriger... Im Herbst 2006 beschließe ich, dem Bautenschutz zugunsten der Hermes Logistik Gruppe den Rücken zu kehren, dort bin ich als freiberuflicher Bote unterwegs. Doch auch Fahrzeugkosten sind keine geringen Kosten...
26. August 2007:
Ungeplant, aber keineswegs ungewollt stolpert mein Sohn Lukas in mein Leben. Uns war klar, dass es jetzt nicht leichter wird, aber auch er gibt einem die Kraft, weiter zu machen und alles mögliche dranzusetzen, dass diese Familie funktioniert. Die Ähnlichkeit zwischen Lukas und Vivian ist nicht nur äußerlich, auch der kleine Prinz hat ein unheimlich fröhliches und ausgeglichenes Wesen. Ein Segen für uns alle!
17. November 2007:
Es ist nach wie vor nicht leicht. Ich hab lange nachgedacht und auch viel "Hilfe" benötigt, um dieses Datum hier festzumachen. Am 17.11.2007 stirbt mein Soh Lukas am plötzlichen Kindstod. Einfach leblos aus dem Bett geholt, selbst versucht, ihn zu reanimieren, und auch die eintreffenden Rettungskräfte murksen mehr als 90 Minuten an dem Kind rum, bis es -eigentlich schon erwartet- feststeht. Ein Abend wie ein schlechter Film, der sich seitdem immer zu wiederholen scheint. Auf alle Lebenslagen bezogen kommt immer wieder dies zum Vorschein. Seine Beerdigung am 23. November, kurz vorm Advent, ein Grauen für mich, ganz ehrlich. Vivian hat diesen Abend miterlebt und alles andere auch... sie ist nach wie vor mein sicherster Haltepunkt. Diese kindliche Leichtigkeit möchte ich auch besitzen. Obwohl, die Beerdigung war auch für sie nicht leicht. Sie konnte es nicht verstehen, wieso alle anwesenden so traurig waren.
25. April 2008:
In Folge dieses grausamen Vorfalls erleidet meine Lebensgefährtin einen Schlaganfall. Grade mal 4 Monate nachdem Lukas gestorben ist, ein harter Schlag ins Gesicht aller, die es betrifft. Zwei Monate stehe ich nahezu alleine mit Vivian da, hab Pakete für die Hermes-Affen in entlegenen Gegenden zuzstellen. Auf Dauer nicht zu halten... Zu dem privaten Elend gesellt sich auch finazielles und berufliches. Ich geh pleite! Dass ich ab Juni 2008 eine Tagesmutter für Vivian habe und ab August 2008 der Kindergartenplatz kommt, was dies angeht leider zu spät. Gemischte Gefühle... Ich lenke mich ab, in dem ich nach fast 20 Jahren wieder einen Commodore 64 kaufe, an dem ich un meine Abende verbringe. Ich wusste immer, alte Computer und Konsolen haben ihren Reiz für mich.
2. Februar 2009:
Die Hermes Logistik Gruppe, in Form meines zuständigen Sub-Unternehmers, lässt mich vor die Tür rennen, nachdem ich, durch die vorangegangenen Ereignisse selbst erkrankt bin. Ausgelöst durch Magenkrämpfe und Schlaflosigkeit ist schnell klar, dass diese physischen Symptome psychischen Ursprung haben. Ich bekomme "Auszeit".
16. Juni 2009:
Was Zeit wurde, wird nun wahr: Ich geh in eine psychosomatische Reha, um endlich Wege zu finden, aus diesem Kopfkino, was mittlerweile mehr als eineinhalb Jahre in meinem Kopf rumgeistert, zu finden.
Ich lerne viel, lass es mir auch echt mal gutgehen mit Schwimmen, Joggen und anderen Aktivitäten werde ich selbst endlich mal aufs Leben hingewiesen. Ich nheme mir vor, auch schon allein für meine Tochter aktiver zu werden. Am 28.7.2009 werde ich entlassen. Wer jetzt denkt, jetzt gehts endlich mal wieder bergauf... lest einfach weiter ;-)
September 2009:
Die Krankenkasse, sorry, Gesundheitskasse ist der Meinung, mir nun auch das erst seit wenigen Wochen gezahlte Krankengeld zu streichen. Mir bleibt nichts anderes mehr, als der Weg zum Sozialamt, bzw. der Arge(heute Jobcenter). Ich offenbare mich, und werde mir immer mehr bewusst, dass ich diesen Schritt 2 Jahre früher hätte machen müssen, damit ich meiner Familie einiges hätte ersparen können. Man denkt ja immer, so lange man Arbeit hat, ist alles gut...
10. Mai 2010:
Eine Art Wunder geschieht, zumindest fürs Erste: Ich habe wieder Arbeit! Ich bin nun Behidertenbusfahrer für Auto Bachem! Die nötigen Zusatz-Führerscheine bekomme ich gestellt (im Gegenzug ein 1-Jahres-Vertrag, who cares), ich bin wieder aktiv! Ich hoffe, es geht so weiter bergauf!
Aktuell:
Eine Art Zusammenfassung: Ach wenn hier einiges -sehr privates- fehlt, kann ich sagen: ICH LEBE! Es ist viel passiert und mit Sicherheit auch mehr, als in einem "normalen" Leben üblich ist. Aber es gibt für mich keinen Grund, aufzugeben, sondern nur einen Grund, weiterzumachen: VIVIAN! Ohne sie hätte ich vieles nicht überstanden, nur mit ihr stehe ich auch dies alles durch. Sie hat mehr getan, als sie selbst als mittlerweile 5-jährige wissen kann, aber sie weiß, ihr Papa ist für sie die Nr. 1! Und dafür hab ich eigentlich nicht mal viel getan, es war ein Glück von Anfang an. Und JA!!!!!! Ich genieße es, dass sie so ein Papakind ist. Wer könnte sagen, wo ich wär, wenn wir nicht so eine Einheit wären?
Ich bin bei weitem nicht perfekt, aber anscheinend gut genug, dass meine Tochter mich lieb hat! Un das ist das allerwichtigste für mich auf dieser Welt!!!!